Kirchengeschichte 2
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Thema: Die religionspädagogische Ausbildung in Weimarer Republik und Nationalsozialismus
Catharina Koke
Beginn: Februar 2018

„Die Forderung, dass Auschwitz nicht nochmal sei, ist die allererste an der Erziehung.“ (Th. W. Adorno)

Die wichtige Rolle von Lehrkräften für die weltanschauliche Prägung von Kindern und Jugendlichen ist nicht zu unterschätzen und stellt auch gesellschaftlich einen Konsens dar. Doch wie sieht es mit Blick auf die ideologische Prägung ebendieser Lehrkräfte aus?

Angesichts zahlreicher Studien zum Religionsunterricht in Weimarer Republik und NS-Zeit widmet sich die geplante Dissertation der Ausbildungssituation der Religionslehrkräfte. Sie untersucht, in welchem Maße angehende ReligionslehrerInnen der nationalsozialistischen Ideologie ausgesetzt waren. Dabei nimmt sie in den Blick, ob und in welchem Umfang das christliche Bekenntnis dieser gegenübergestellt wurde. Der Fokus liegt dabei auf dem Spannungsfeld von nationalsozialistischer Ideologie und evangelisch-christlichem Bekenntnis.

Dafür soll die Ausbildungssituation an Universitäten, Hochschulen und Seminaren, sowie die Fortbildung durch staatliche und kirchliche Institutionen in den Blick genommen werden. Gleichzeitig werden auch Beeinflussungen von publizistischer Seite untersucht.

Die Arbeit möchte sich somit insbesondere der inhaltlichen Seite der Aus- und Weiterbildung von evangelischen Religionslehrkräften widmen. Sie betrachtet den Zeitraum der Weimarer Republik über die „Machtübernahme“ bis hin zum Kriegsende. Anhand kirchenpolitischer Entwicklungen sollen auf diese Weise Veränderungen innerhalb der ideologischen Beeinflussungen und Wechselwirkungen zwischen (Kirchen-)Politik und inhaltlicher Gestaltung der LehrerInnenausbildung festgestellt werden. Die religionspädagogische Ausbildung soll so nicht nur in der religionspädagogischen Diskussion in einen Kontext gestellt werden, sondern insbesondere mit politischen und weltanschaulichen Entwicklungen kontextualisiert werden.

Kontakt: catharina.koke@gmx.de

 


Thema: Formierung und Konsolidierung des lutherischen Bekenntnisses in Siebenbürgen
Frank Krauss
Beginn: September 2018

Im Reformationsjubiläum (2017) erschienen zahlreiche Publikationen zu diesem Themenfeld und es scheint ein Grundtenor zu sein, dass die Reformation kein deutsches, sondern ein europäisches Gesamtereignis darstellte. Dies gilt auch für die Region Siebenbürgen, in welche um den Wechsel von den 1510er zu den 1520er Jahren erste reformatorische Schriften eingeführt wurden.
Das Dissertationsprojekt widmet sich dabei der Fragestellung, welchen Einfluss das neue Medium des Buchdruckes auf die Formierung und Konsolidierung des lutherischen Bekenntnisses in Siebenbürgen hatte und wie sich diese Prozesse darin wiederfinden.
Ihre Zielsetzung ist dabei eine dreifache:
Sie erforscht erstens die institutionelle Verwendung des Buchdrucks in Bezug auf lutherisch-konfessionelle Entscheidungen. Die Dissertation zeichnet damit den Rahmen nach, in dem sich Individuen der Zeit bewegten.
Zweitens zielt sie auf die Erforschung der konfessionellen Druckgeschichte dreier zentraler Druckereien im Siebenbürgen der Frühen Neuzeit: Kronstadt, Hermannstadt und Klausenburg.
Als drittes richtet sie sich auf qualitativer Ebene auf die theologischen Lesestoffe der Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen aus und eruiert darin deren theologische Bildung.
Durch diese Darstellung von Institutions-, Medien- und Theologiegeschichte wird ein Beitrag zur Ausformung des Luthertums in Siebenbürgen stattfinden, die dabei einen Prüfstein kirchengeschichtlicher Paradigmen im Heiligen Römischen Reich bietet.

Kontakt: frank.krauss@gmail.com

 

 
Thema: Das Lutherbild im Spiegel von Denkmälern 1817-1917
Camilla Schneider
Beginn: Oktober 2018

Es war Martin Luther, der in seiner Bibelübersetzung das Wort Denkmal im Sinne von ‚Erinnerungszeichen‘ in die deutsche Sprache einführte und dem 300 Jahre später als Zeichen der Erinnerung das erste bedeutende bürgerliche Denkmal in Deutschland gewidmet wurde.
Das Wittenberger Lutherdenkmal, dessen Grundstein 1817 gelegt wurde und Luther als Gelehrten zeigt, stand am Anfang von zahlreichen weiteren Personenstandbildern Luthers. Nach dem großen Reformationsdenkmal in Worms von 1868, bildeten die Standbilder, die anlässlich Luthers 400. Geburtstag 1883 errichtet wurden, den Höhepunkt des Denkmalkultes. Doch auch in den Folgejahren wurden noch vereinzelt Lutherdenkmäler errichtet, von denen das 1913 entworfene und 1917 auf der Veste Coburg errichtete Denkmal besonders hervorsticht, da es Luther als lichtbringenden Reiter darstellt.

Diese Denkmäler bilden zusammen mit den teilweise vorhandenen Einweihungsreden, die einen Einblick in die zeitgenössische Deutung der Denkmäler geben, den Gegenstand der Analyse.
Es wird angestrebt, den unmittelbaren Zusammenhang zwischen den politischen, gesellschaftlichen, kirchlichen und theologischen Begebenheiten des langen 19. Jahrhunderts und den in den Denkmälern dargestellten Lutherdeutungen aufzuzeigen.
Besonderes Augenmerk soll hierbei auf die Stilisierung Luthers zum deutschen Nationalhelden gelegt werden, welche auf dem seit den Befreiungskriegen sich steigernden, durch die Reichsgründung von 1871 sich etablierenden und bis zu Beginn des 1. Weltkriegs in Euphorie gipfelnden Nationalismus gründete.

Kontakt: camilla.schneider@campus.lmu.de

 


Thema: Evangelische Frauenordination im geteilten Deutschland
Carlotta Israel
Beginn: April 2019

Die Ordination von Frauen war eine der herausragenden Errungenschaften der deutschen Protestantismusgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die egalitäre Ausübung des Pfarramtes von Frauen ist allerdings bis heute keineswegs selbstverständlich – weder im Bereich der evangelischen Kirchen Deutschlands noch in globaler oder ökumenischer Hinsicht, wo Kirchen, die Frauen ordinieren, eine deutliche Minderheit darstellen.
Da die einzelnen Landeskirchen ihre eigenen Dienstrechte verabschiedeten, ist auch die Aufarbeitung der Geschichte der Frauenordination bisher primär in regionalgeschichtlicher Perspektive geschehen. In meiner Dissertation verschiebt sich der Blickwinkel: Die Frauenordination wird vor allem anhand der Diskurse innerhalb der Landeskirchenzusammenschlüsse der EKD, EKU, VELKD und des BEK in die gesellschaftlichen Kontexte der beiden deutschen Staaten eingeordnet. Wenn auch auf Landeskirchenebene verabschiedet, wurde dennoch das Pfarrdienstrecht stark in den (konfessionellen) Verbänden diskutiert. Diese Diskussionen werden diskursanalytisch untersucht und Diskursstränge vor dem Hintergrund eines verflechtungsgeschichtlichen Zugangs zur deutsch-deutschen Geschichte herausgearbeitet. So werden folgende Fragen behandelt: Welche Diskussionsmotive prägen die Öffnung des Pfarramts für Frauen? Inwiefern beeinflussen die verschiedenen Staatssysteme die kirchliche Diskussion und Rechtsentwicklung? Stellt die Frauenordination einen Sonderfall in ihren gesellschaftlichen Kontexten in der akademischen Frauenerwerbstätigkeit dar?

Kontakt: c.israel@campus.lmu.de